Im Rahmen ihrer diesjährigen Sommertour durch die Stadtteile haben die Abgeordneten Inga Nitz und Peter Erlanson am Dienstag (27. Juli) die Waller Obdachloseninitiative ‚Tasse‘ aufgesucht. An vier Wochentagen öffnet der Treffpunkt seine Pforten, um Wohnungslosen die Möglichkeit zu bieten, sich zu verköstigen, Wäsche zu waschen, Gespräche zu führen. Mindestens 30 Menschen nehmen täglich das Angebot wahr, so Drosdowsky, einer von gut 40 ehrenamtlichen Helfern. „Gegen Ende des Monats, wenn das Geld knapp wird, werden es mehr, im Winter könnten wir sogar Stehplätze vergeben“, erzählt der frühere Gymnasiallehrer. Vor allem Männer suchen den Treff auf, inzwischen kommen aber vermehrt auch Frauen. Bedenklich sei außerdem, dass die Gäste im Schnitt immer jünger werden. Die Initiative lebt von Sach-, Lebensmittel- und Geldspenden. Die Waller Bürgerinnen und Bürger engagieren sich ehrenamtlich und über den Beirat, der jährlich 500 Euro aus dem Globalmittelfonds zur Verfügung stellt. Für die Vertreter der LINKEN wird anhand von Initiativen wie der ‚Tasse‘ deutlich, wie sehr die Spaltung der Gesellschaft voranschreitet. Inga Nitz: „Es ist wichtig, dass es Hilfsangebote wie die ‚Tasse‘ gibt. Gleichzeitig darf es hierzulande gar nicht erst so weit kommen, dass viele Menschen nicht genug zu essen haben und ihnen ein Dach über dem Kopf fehlt. Wie fehlgesteuert eine Politik ist, die den Reichen die Steuergeschenke nur so hinterherwirft, darüber sollten sich Vertreter aller Parteien in der ‚Tasse‘ mal ein Bild machen.“
Michael Horn, Fraktionssprecher der LINKEN im Beirat Walle, der die Bürgerschafts-abgeordneten begleitet hat, ergänzt, „dass bei einem ‚Weiter so‘ die Stadtteile über kurz oder lang auseinanderzubrechen drohen“. Peter Erlanson fordert für Bremen die Umsetzung des von der Linksfraktion schon mehrfach beantragten ‚Masterplans Armut‘. „Wer wie die Koalition einen ‚Masterplan Industrie‘ verabschiedet und wie die CDU einen ‚Masterplan Innenstadt‘ beschließen will, hat es offenbar versäumt, die existenziellen Nöte der Menschen zu erkennen. Bereits heute wächst jedes dritte Bremer Kind in Armut auf, gut 100.000 Personen sind auf soziale Hilfeleistungen angewiesen. Es ist inakzeptabel, dass der Senat hier nicht energischer gegensteuert.“