Nach dem Verkauf von rund 1.200 Wohnungen in Bremen und Delmenhorst steht der bisherige Besitzer, der Immobiliengroßhändler Gagfah, in der Kritik. Gagfah gehört zu einer amerikanischen Investorengesellschaft und soll die Wohnungen aus Profitstreben abgewirtschaftet haben, sagt Inga Nitz (Linkspartei). So soll Gagfah dringende Renovierungen aufgeschoben und die maroden Wohnungen abgestoßen haben.
Gagfah hat die Wohnungen an die Unternehmensgruppe Baum in Hannover verkauft. Ob die Wohnungen nun vom neuen Eigentümer modernisiert werden, ist offen. Eine Sprecherin von Baum versichert, man wolle die Wohnungen langfristig halten. Doch bevor man über Investitionen sprechen könne, müsste erst eine Bestandsaufnahme gemacht werden. Zeitungsmeldungen, wonach 500 der 1.200 Objekte wieder zum Verkauf stehen sollen, dementierte die Sprecherin.
Die Wohnungen befinden sich in den Bremer Stadtteilen Horn-Lehe, Neustadt und Gröpelingen. Dort sei vom bisherigen Besitzer Gagfah Schimmel nicht entfernt und Instandhaltungsarbeiten seien zurückgehalten worden, sagt Nitz. Sie wirft Gagfah vor, die Wohnungen nur deshalb verkauft zu haben, um für diese Kosten nicht aufkommen zu müssen und bezeichnete dieses Verhalten als "abscheulich". Auch Quartiersmanager, die sich um die soziale Situation in den Bremer Stadtteilen kümmern, sind empört über ein solches Vorgehen. "Das Wohnungseigentum geht vor die Hunde, weil diese Heuschrecken nur Gewinn machen möchten und auf Investitionen verzichten", sagte einer von ihnen. Um solch ein "Investitionsgeschacher" großer Immobilienkonzerne zu vermeiden, fordert Nitz, den kommunalen Wohnungsbau auszubauen. So sollte in Zukunft die städtische Gewoba frei werdende Wohnungen kaufen, damit sie nicht die Hände privater Investoren fallen.
Radio Bremen, 28.07.2010