Engagierte Mitarbeit war gefragt, als die Abgeordneten Inga Nitz und Peter Erlanson auf ihrer „Sommertour“ durch die Stadtteile bei der „Bremer Tiertafel“ Visite machten. Und die beiden Parlamentarier machten auch an der Futterausgabe eine ausgesprochen gute Figur.
„Gelebter Tierschutz führt über den Menschen der ein Tier hält.“ Das ist das Leitmotiv der Tiertafeln in Deutschland. Denn von Liebe allein wird ein Tier nicht satt! Und wenn dann Frauchen oder Herrchen das Geld ausgeht …? Nach dem Vorbild der Tafeln, die in vielen Städten Lebensmittel an Bedürftige ausgibt, wurde 2006 die erste Tiertafel gegründet. Hier wird Menschen unbürokratisch geholfen, die mit der Versorgung ihrer vierbeinigen Hausgenossen überfordert sind, sei es durch Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Krankheit oder eine zu niedrige Rente. 2008 folgte die Tafel in Bremen, die seitdem jeweils am Freitagnachmittag in der Faulenstr. 75 (14.30 bis 18.00 Uhr) ihre Räume öffnet. Durch Aufklärung möchten die ehrenamtlichen Mitarbeiter die artgerechte Haltung der Haustiere sichern – egal, ob Hund, Katze, Hamster oder Vogel.
Und präventiv wollen die engagierten Leute von der Bremer Tiertafel schlechte Unterbringung, falsche Ernährung oder – im schlimmsten Fall - eine notgedrungene Abgabe in ein Tierheim oder sogar das Aussetzen der Tiere verhindern. Engagiert sind sie hier alle, die Helferinnen und Helfer um Annette Moltzen und Gitta Küstner, die hier die Organisation übernommen haben.
Zwischen 80 und 100 Tierhalter finden jeweils während der Öffnungszeiten in die hellen und großzügigen Räume in der Faulenstraße. Und die tierlieben Mitarbeiter haben auch im größten Gedränge für jeden ein freundliches Wort. Mitgebrachte Hunde werden meist mit Namen, immer aber mit einem Leckerli begrüßt. Und während kurz und unbürokratisch die Berechtigung für den Futterempfang geprüft wird, bleibt immer Zeit für ein kurzes Gespräch: Wie alt ist das Tier? Gibt es noch andere tierische Familienmitglieder? Ist die Katze wieder gesund? Wann wird der junge Hund kastriert?
Die Bremer Tiertafel ist gut vernetzt, Tierärzte helfen gelegentlich unbürokratisch, und sogar die Bagis weist auf die Bremer Tiertafel hin. Eine kürzlich durchgeführte Aktion „Chippen und impfen“ wurde sehr gut angenommen. Viele fragten schon nach dem nächsten Impftermin. Der Bedarf für diesen „Service rund um das Tier“ ist erschreckend groß und steigt mit der Zunahme der sozialen Not, in Bremen wie überall. Die Alltagssorgen der Menschen werden hier deutlich sichtbar.
Nach der Anmeldung ging es zur Futterausgabe. Und da passte es gut, dass die arbeitsmarkpolitische Sprecherin und der Vorsitzende der Bremer Linksfraktion sich zur praktischen Mitarbeit angemeldet hatten, denn gleich zwei ehrenamtliche Helfer waren an diesem Tag ausgefallen. Und so hatten die beiden gut zu tun – Futterdosen wurden abgezählt, Trockenfutter in mitgebrachte Behälter abgefüllt … die Parlamentarier kamen regelrecht ins Schwitzen. Die „Kundschaft“ – ob zweibeinig oder vierbeinig - nahm die engagierten „Neuen“, die sich erstaunlich schnell in das ausgeklügelte System eingearbeitet hatten, wohlwollend zur Kenntnis.
„Gibt es auch Kritik an dieser Einrichtung? Wie reagieren die Nachbarn?“ Gitta Köstner antwortete nachdenklich: „Es gibt manchmal Stimmen, die sagen, man solle sich doch lieber um die Nöte von Kindern kümmern. Aber wir entgegnen dann, dass es ja oft gerade die Kinder sind, die sich ohne unsere Hilfe von ihren vierbeinigen Freunden trennen müssten. Dann verstummt die Kritik.“ „Und die Nachbarschaft rund um die Faulenstraße?“ „Die reagiert durchweg positiv!“ Gitta Köstner lächelte – und wandte sich einer jungen Frau mit einem tapsigen Mischlingsrüden zu. Der Nächste bitte.
Dr. Dieter Fricke, Referent für Soziales, Inneres, Gesundheit und Recht